Der größte bundesdeutsche Psychotherapie-Verband regiert auf die Nachfrage von Eltern und warnt vor der RTL-Serie „Die Super Nanny“: Sie sei kein seriöser Erziehungsratgeber und widerspreche absolut dem fachlichen Vorgehen wirklicher Experten.
„Super Nanny“, eine neue RTL-Erziehungsreality Show, soll im nächsten Jahr fortgesetzt werden. Die Gesellschaft für wissenschaftliche Gesprächspsychotherapie (GwG), mit rund 4000 Mitgliedern der größte europäische Fachverband für Therapie und Beratung, reagiert auf Nachfragen nach Super-Nanny-Erfolgsrezepten und warnt Eltern und Erzieher davor, die Serie als seriöser Erziehungsberatung und Psychotherapie zu betrachten. Die in der Sendung präsentierte Methode entspricht in keiner Weise dem fachlichen Vorgehen in Erziehungsberatungsstellen und von niedergelassenen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten.
Darum geht es: In „Die Super Nanny“ führt eine Diplom-Pädagogin vor, wie der effiziente Umgang mit ausgewählt verhaltensauffälligen Kindern funktioniert, wie anscheinend erziehungsunfähige Eltern (z.T. über Kopfhörer) trainiert werden, ihre völlig außer Rand und Band geratenen Kinder wieder zu disziplinieren.
„So sehr es zu begrüßen ist, wenn Medien Kindererziehung und familiäre Konflikte thematisieren, so sinnvoll auch einige dargebotene „Erziehungstipps“ („Geh’ zu deinem Kind auf Augenhöhe, wenn du mit ihm sprichst!“

isoliert betrachtet sein mögen“, erläutert Andreas Renger, Diplompsychologe und Mitglied der Gesellschaft für wissenschaftliche Gesprächspsychotherapie, „so besorgniserregend ist das von RTL präsentierte Format in seiner Gesamtaussage: Die präsentierten Eltern werden als ganz und gar inkompetent dargestellt, bestenfalls soll man nur Mitleid mit ihnen empfinden und ein Gefühl der Erleichterung, dass es bei einem selbst zu Hause zum Glück „so“ (noch) nicht aussieht!“
Damit unterscheide sich die Sendung nur wenig von dem Format anderer Sendungen im privaten TV, in denen Randgruppen (wie z.B. Messies) mit ihren Problemen zur Schau gestellt werden. Erst wenn sich die Eltern solcherart entwertet und ihre eigene Machtlosigkeit eingestehend der überlegenen Autorität der Super-Nanny unterwerfen, kommen sie auch wieder in den Genuss der neuen Macht, die ihnen die Beherrschung ihrer aus dem Ruder gelaufenen Kinder verspricht.
Aber die Super Nanny weiß es nicht wirklich besser! Was so griffig daherkommt, hält dem Erziehungsalltag nicht stand, wie auch in den Sendungen selber deutlich wird. Das bloße autoritäre Durchsetzen von Regeln – so sehr Kinder auch Regeln brauchen mögen – überfordert die Eltern vielfach, verlangt es doch von ihnen selber eine totale Einhaltung der Regeln, was auf Dauer viel zu anstrengend ist. Die eingesetzte Macht erschöpft sich und wird unwirksam, die Misserfolge sind vorprogrammiert. Am Ende müssen sich Eltern wie Kinder als Verlierer eines Machtkampfes fühlen.
Gesprächspsychotherapeutin Silke Pallmann,erläutert, dass Nachfragen in den Beratungsstellen nach dieser anscheinend so erfolgversprechenden Methode selbst von Lehrern oder anderen pädagogisch ausgebildeten Berufsgruppen, es notwendig machen, darauf hinzuweisen, „dass die in der Sendung präsentierte Methode nicht dem fachlichen Vorgehen in Erziehungsberatungsstellen und von niedergelassenen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten entspricht.“
Eltern müssen sicher sein, wenn sie fachliche Hilfe in einschlägigen Institutionen suchen, dass ihre grundlegenden Fähigkeiten geachtet werden, dass ihre elterliche Kompetenz nicht angezweifelt wird, dass gemeinsam mit Beratern oder Therapeuten und mit den in der Familie vorhanden Möglichkeiten und Stärken Lösungen für die häuslichen Probleme entwickelt werden.
Dass die gesteckten Ziele aber immer gemeinsam mit den Kindern, ihren Eltern gemäß ihren jeweiligen Bedürfnissen und Fähigkeiten umgesetzt werden. Erziehung erfordert Geduld und Einfühlungsvermögen in die Situation von Kindern. Eltern brauchen hierfür zuweilen Unterstützung von außen, aber sie brauchen keinen „Experten“, der es besser weiß und schon gar kein Super-Kindermädchen.
Einen guten und allen Beteiligten angemessenen Erziehung zu erarbeiten, ist häufig ein oft mühsamer, für die Betroffenen aber bereichernder, für Zuschauer jedoch ein weit weniger spektakulärer und weniger quotenträchtiger Prozess als die Verfolgungsjagd mit Kameramann, Kabelträger und Beleuchter hinter einem aufgedrehten Fünfjährigen durchs Reihenhaus.
www.gwg-ev.org
Endlich, denk ich mal!!
Ich selber habe es bisher nicht ausgehalten, es zu Ende anzuschauen, grad und weil ich aus diesem Berufsbild kommen.
Ich weis von einer guten Freundin, dass sich die Anfragen von verunsicherten Eltern in Erziehungsberatungsstellen häufen, mit der Begründung, es wurde die "Supernanny" geschaut. Es ist so schade, dass sich immer Eltern sich nicht getrauen, ihre Kinder aus dem Bauch heraus zu erziehen und vor allem die Bedürfnisse der Kinder und die Kinder an sich in den Mittelpunkt zu srellen.
Wo geht der Trend denn noch hin, als nächsten wurd wohl Hospitz"TV" kommen oder was?
Man, ich hab das Gefühl, wir sind so arm an Kultur und vor allem, an Selbstbewusstsein, dass Fremde unsere Wohnung neu machen (natürlich mit ausführlichem Niedermachens des Lebensraumes), lassen unsere Kinder erziehen...........Ich könnt noch so viel mehr nennen (ich sag nur Tauschmutter, Putzteufel, Frau Kalwas...)
Ich wünsch unseren Kindern wieder Realität.Und uns Elter(N): Klarheit und Mut zum Leben und zum Erziehen.So, wir wie es brauchen und machen, ohne alle Einflüsse reinzulassen oder Trende als wichtig zu erachten, sie als bindend zu nehmen.
Schöne Weihnachten und ein gutes Jahr 2005.
Ich hoffe, dass meines endlich mal zum Sonnenjahr wird;-))
Caosmum